Schon vor 15 Jahren musste ich immer wieder den Kopf schütteln, wenn ich einen vermeintlich hilfreichen Artikel aus der Computerbild zu lesen bekam. Beschrieben und angepriesen als geheime Supertricks für jedermann. In Wahrheit wurden aber sehr mächtige Systembefehle und Tools beschrieben, die eben nicht jeder unbedarfte und vor allem unerfahrene User nutzen sollte. Warum? Weil so mächtige Werkzeuge, ohne entsprechende Erfahrung und Verständnis, sehr großen Schaden anrichten können.
Beispiel gefällig?
Während meiner Ausbildungszeit gab es eine Anleitung, wie man seine Festplatte aufteilen kann, um so die eigenen Daten vom Betriebssystem zu trennen.
Vorteil:
Musste man das System neu installieren, gingen die Daten nicht verloren. Das System war aufgeräumt und ein wenig sicherer.
Nachteil:
Wenn man sich mit dem Befehl fdisk und dem Ablauf nicht auskannte, konnte man mit der Anleitung, welche die Computerbild lieferte, sein System beschädigen und wichtige Dokumente verlieren.
Natürlich war die Anleitung korrekt beschrieben und ein Hinweis, als erstes ein Backup aller Daten zu machen, existierte genauso wie die dezente Warnung, das es gefährlich sei. Dennoch gab es einige, die eben aus Unwissenheit Fehler machten und Daten verloren.
Ich kann mich noch an einen weiteren Fall erinnern, da führte ein eben solcher Artike dazu, dass ein User seine komplette Festplatte gelöscht hat. Der Artikel beschrieb völlig korrekt, wie man in einem temporären Ordner unter C:\windows\…\ alte Dateien löschen kann. Diese Daten müllten das System zu und machten es langsam. Der User dachte sich „alles was unter C:\windows\ liegt hab ich eh noch nie benutzt, also kann das auch weg“ und löschte, soweit möglich alles und eben nicht nur dort, wo es die Anleitung beschrieb.
Tja, am nächsten Morgen startete sein Computer im Büro nicht mehr und er meldete sich im Support. Warum? Unter C:\windows\ liegt das Betriebsystem und das benötigt alles was man in diesem Ordner eben so finden kann. Ohne diese Dateien kann es, spätestens nach einem Neustart, nicht mehr arbeiten. Der User hatte es zu gut gemeint, mit seinem Frühjahrsputz.
Magazin vs. Fachzeitschrift
Die Computerbild ist ein Magazin. Dagegen ist nichts einzuwenden. Sie macht interessante vergleiche von Computeren und Zubehör und fasst diese übersichtlich und für Laien verständlich zusammen. Das ist vollkommen in Ordnung. Das ist die Niesche, diese ausfüllt. Das ist ihre Zielgruppe.
Fachzeitschriften zielen in ihren Tests von Computer und Zubehör oder Beschreibungen von Computerbefehlen und Tools auf Fachkräfte ab. Personengruppen, die sich mit der Materie auskennen. Personen die mit Begriffen wie Buffer, VRAM, ECC RAM, CPU, GPU, Shader, etc. etwas anfangen können. Solch einem User Tipps an die Hand zu geben, wie man mit der Konsole eine HDD oder SSD partitioniert, ist weitaus ungefährlicher. Nicht weil der Befehl ungefährlich ist, sondern weil die Personen weitreichendere Kentnisse des Systems haben und die Wechselwirkungen und Abhängigkeiten kennen (sollten… auch Administratoren machen Fehler ? ).
Fazit
Auch wenn man fasziniert ist von den vielen, tollen und vermeintlich „versteckten“ oder gar „geheimen“ Kommandos und Tools, sollte man sich als unerfahrener User nicht dazu verleiten lasse, blindlings solche „Super-Spezial-Geheimagenten-Tricks“ anzuwenden.
Diese Tools und Befehle sind aus gutem Grund nicht im normalen Handbuch beschrieben. Geheim sind sie allerdings auch nicht. Anleitungen gibt es, nur eben nicht dort, wo man als Computerbild-Leser sucht.
Wer sich weiterbilden möchte kann dies gerne tun und findet über ausgedehnte Googlesuchen allerlei Hilfreiche Infos. Nur sollte man immer bedenken, es reicht nicht aus, nur zu wissen, wie man Steine auf einander stapelt um ein Haus zu bauen. Fragen Sie die Typen in Pisa mit ihrem Turm.
Man sollte sich umfangreich informieren und am besten irgendwo einen Test machen, wo es ungefährlich ist. Sonnst stürzt ihr Häuschen ein oder ihre Daten gehen verloren.
Hilfreiche Tools
Mittlerweile gibt es genügend kostenpflichtige und kostenlose Apps, die viele dieser „geheimen“ Tricks für den Laien verständlich aufbereiten und ihn sicher durch den Frühjahrsputz führen, ohne Verlust des geliebten Familienalbums, der Musikbibliothek oder der wichtigen Unterlagen.
Vieles macht Windows & Co. mittlerweile automatisch und für den Rest gibt es Tools wie CCleaner und Co.
App Beispiele
- https://www.piriform.com/ccleaner
- https://www.piriform.com/recuva
- https://www.paragon-software.com/de/home/pm-personal/index.html
- http://www.easeus.de/bedienungsanleitung/partition-master-free-nutzer-anleitung.html
Natürlich gibt es auch für einige Aufgaben Windows eigene Bordmittel. Diese sind allerdings meistens für Fortgeschrittene Anwender, Supporter und Administratoren.
Und wenn man doch einem solchen Computerbild-Artikel verfallen ist?
Ich würde raten sich haarklein an jeden einzelnen Schritt zu halten. Jeden Handgriff dreimal zu prüfen bevor man einen Klick macht oder Enter drückt.
Und zu guter letzt:
Niemals vom Weg abkommen! ?
Auf Grund der Tatsache, dass die Computerbild ein Magazin ist, fehlt an vielen Stellen eben die umfangreiche Beschreibung, was technisch passiert und welche Systemkomponenten außerdem betroffen sind.
Referenz
Computerbild Artikel
Geheime CLSID-Codes für Windows: Komplexe System-Helfer http://flip.it/nZlIau
